Prof. Dr. Tim Landgraf
Freie Universität Berlin
Zitat Prof. Dr. Tim Landgraf

Wissenschaftlich habe ich in Berlin meine wichtigsten Forschungspartner. Insbesondere in interdisziplinären Projekten ist es wichtig, eng zusammenzuarbeiten.

Brain City Berlin Botschafter: Prof. Dr. Tim Landgraf (Freie Universität Berlin)

 

Dr. Tim Landgraf ist Professor am Dahlem Center für Machine Learning and Robotics (DCMLR) der Freien Universität Berlin. Sein Forschungsschwerpunkt ist „Collective Intellicence and Biorobotics“. In seinen aktuellen Projekten „RoboFish“ und „BeesBook“ untersucht er das soziale Verhalten von Guppys und Bienen, um Biologische Intelligenz zu verstehen und Künstliche Intelligenz weiterzuentwickeln. 

Interview

Brain City Berlin: Herr Dr. Landgraf, wie würden Sie Ihren Forschungsschwerpunkt beschreiben?

Landgraf: In komplexen Systemen entsteht durch das Zusammenwirken vieler Teile etwas Neues: Seien es Neurone im Gehirn oder Bienen in der Bienenkolonie. In meiner Forschung nutze ich moderne Methoden der Informatik, wie Machine Learning und Robotik, um mehr über die versteckten Regeln eines komplexen biologischen Systems zu erfahren. Wie kann ein Bienenstock gleichzeitig Futter sammeln, Brut füttern, Temperatur regulieren und Feinde abwehren? Welche Wege nehmen die Informationen durch das „Internet der Bienen“? Wenn ich einen Fisch im Schwarm durch einen Roboter austausche, kann ich seine Bewegungen und Interaktionen nach unserem derzeitigen Lehrbuchmodell programmieren, aber stimmen unsere Theorien? Reagieren die Fische, wie es das Lehrbuch vorhersagt?

 

Brain City Berlin: Was ist der spannendste Aspekt Ihrer Forschung?

Landgraf: Wir arbeiten auf fast der gesamten Breite der Informatik. Hinzu kommen  die relevanten Teile der Biologie. Wir müssen riesige Datenmengen verwalten und prozessieren, Machine Learning und Statistik beherrschen, mathematische Modelle entwerfen, Hardware bauen etc. Es ist schon eine Herausforderung, alle diese Teile zusammenzubringen. Aber es ist auch eine riesige Belohnung, wenn diese „Forschungsmaschine“ dann läuft.

 

Brain City Berlin: Was gefällt Ihnen am Leben in Berlin?

Landgraf: Berlin ist grün und weit, kann laut und leise, ist kosmopolitisch und noch bezahlbar.

 

Brain City Berlin: Von welchen Kooperationen profitiert Ihre Forschung?

Landgraf: Ich arbeite mit Biologen und Physikern an diversen Kollaborationen:. Im Projekt „RoboFish“ kooperiere ich eng mit drei Wissenschaftlern: Prof. Dr. Jens Krause, Dr. David Bierbach und Dr. Pawel Romanczuk (Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei/HU Berlin). An der FU forsche ich mit Prof. Dr. Dr. hc. Randolf Menzel an der Navigations-Intelligenz von Honigbienen. Und im Projekt „BeesBook“ analysiere ich zusammen mit Prof. Dr. Dirk Brockmann (RKI) das soziale Netzwerk der Bienen.

 

Brain City Berlin: Welchen Vorteil bietet Berlin gegenüber anderen Forschungsstandorten?

Landgraf: Wissenschaftlich habe ich in Berlin meine wichtigsten Forschungspartner. Insbesondere in interdisziplinären Projekten ist es wichtig, eng zusammenzuarbeiten. Student*innen sind für unsere Arbeit wichtig. Wir rekrutieren nicht nur von der FU Studierende, die mit ihrer Bachelor- oder Masterarbeit einen wichtigen Teil zu unserer Forschung beitragen. Berlin zieht junge Forscher*innen aus der ganzen Welt an!

 

Brain City Berlin: Was würden Sie jungen Menschen raten, die sich für ein Studium in Berlin interessieren?

Landgraf: Ihr habt viele Möglichkeiten in Berlin. Schaut euch die vielen Optionen an, redet mit den zukünftigen Kommiliton*innen und Dozent*innen. Berlin ist offen und divers. Hier findet ihr bestimmt, wonach ihr sucht.

 

Brain City Berlin: Welche Entwicklungen wünschen Sie sich für die Stadt?

Landgraf: Eine „grüne Vision“ für die Stadt. Zum Beispiel mehr und bessere Fahrradwege, kostenloser Öffentlicher Nahverkehr und mehr Ladestationen für elektrische Fahrzeuge.

 

Brain City Berlin: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Berliner Wissenschaften?

Landgraf: Wir brauchen ein KI-Zentrum in Berlin, in dem die Berliner Universitäten und Fachhochschulen zusammen an intelligenten Systemen forschen: gemeinsame Räume, gemeinsame Projekte, Forschungsanträge und Doktoranden. Das Berliner KI-Institut könnte auch als Beratungs- und Kooperationsschnittstelle für Politik, Gesellschaft, Industrie etc dienen. Unsere Unis müssen gemeinsame Abschlüsse anbieten. So vergrößern wir das Angebot auf einen Schlag und machen Berlin noch attraktiver. Wir brauchen eine gemeinsame, systematische Gründungsförderung.

 

Brain City Berlin: Welche Botschaft möchten Sie der Brain City Berlin zukommen lassen?

Landgraf: Ein Gehirn wird schlauer durch neue Verknüpfungen!