Prof. Dr. Iman Attia
Alice Salomon Hochschule Berlin
Zitat Dr. Iman Attia

Die Kooperation zwischen den verschiedenen Akteuren der Wissensproduktion in Forschung, Bürgerrechtsbewegungen und Aktivismus ist anregend und bereichernd.

Brain City Berlin-Botschafterin: Professor Dr. Iman Attia (Alice Salomon Hochschule Berlin)

 

Professor Dr. Iman Attia lehrt und erforscht Critical Diversity Studies an der Alice Salomon Hochschule Berlin (ASH Berlin). Ihre Schwerpunkte sind Rassismus und Migration. Seit Anfang der 1990er-Jahre beschäftigt sie sich mit (antimuslimischem) Rassismus aus globalhistorischer, post- und dekolonialer, post-/nazistischer sowie relationaler und intersektionaler Perspektive.

Interview

Brain City Berlin: Frau Dr. Attia, wie würden Sie Ihren Forschungsschwerpunkt beschreiben?

Attia: Rassismusforschung untersucht die Kontexte, Formen und Effekte von Rassismus sowie das Verhältnis und die Verwobenheit verschiedener Rassismen zueinander und zu anderen gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Auch das Hineinragen historischer Rassismen in aktuelle Lebensumstände und Deutungsmuster, die widersprüchlichen und ambivalenten Verstrickungen von Akteuren in rassistische Strukturen und Diskurse, werden betrachtet – ebenso wie die unterschiedlichen Positionierungen und Perspektiven von Subjekten, widerständige Stimmen und Bewegungen. Und vieles anderes mehr ...

 

Brain City Berlin: Welches ist der spannendste Aspekt Ihrer Forschung?

Attia: Es ist spannend, das Verhältnis von historischen Ereignissen, politischen Entscheidungen, kulturellen Deutungen und subjektiven Positionierungen zueinander zu verstehen. Im Zusammenhang mit Rassismusforschung stellen sich etwa folgende Fragen: Wie wirken Kolonialismus und Nationalsozialismus nach? Warum wird der Nahostkonflikt in Deutschland derart emotional geführt? Welche Folgen hat die gesellschaftliche Segregation für das Zusammenleben? Wie gehen „People of Color“ mit Ein- und Ausgrenzung um? Wie mit der De-Thematisierung ihrer Narrativen und Perspektiven? Was passiert, wenn sie sichtbar und gehört werden?

 

Brain City Berlin: Was gefällt Ihnen am Leben in Berlin?

Attia: Die Präsenz und die Bündnisse verschiedener „Communities of Color“.

 

Brain City Berlin: Von welchen Kooperationen profitiert Ihre Forschung?

Attia: Von der Kooperation mit aktivistischen Forscher*innen und forschenden Aktivist*innen.

 

Brain City Berlin: Welchen Vorteil bietet Berlin gegenüber anderen Forschungsstandorten?

Attia: Jeder Standort hat seine Vorteile. Die Rassismusforschung profitiert in Berlin von der Vielfalt der sozialen und Bürgerrechtsbewegungen, von kleinen Projekten der „People of Color“ mit ihren verschiedenen Schwerpunkten. Die akademische Wissensproduktion wird hier auf relevante Fragestellungen gestoßen. Sie kann mit engagierten Akteuren kooperieren und nützliche Forschungsergebnisse erzielen.

 

Brain City Berlin: Was würden Sie jungen Menschen raten, die sich für ein Studium in Berlin interessieren?

Attia: Wer neu nach Berlin kommt, sollte vor Beginn des Studiums genügend Zeit einplanen, um sich abseits der touristischen Pfade auf die Stadt einzulassen und diese auf sich wirken zu lassen. Aber auch, um in dem großen Angebot an Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Bibliotheken Berlins jene Nische zu finden, in der sie oder er Anregungen, aber auch Muße findet, um gut arbeiten zu können.

 

Brain City Berlin: Welche Entwicklungen wünschen Sie sich für die Stadt?

Attia: Kürzere Wege beziehungsweise eine bessere Anbindung zwischen den Standorten. Mehr Gelassenheit und weniger „Berliner Schnauze“.

 

Brain City Berlin: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Berliner Wissenschaften?

Attia: Eine bessere Ausstattung insbesondere der (Fach-)Hochschulen. Das betrifft vor allem das Promotionsrecht und den Ausbau des Mittelbaus.

 

Brain City Berlin: Welche Botschaft möchten Sie der Brain City Berlin zukommen lassen?

Attia: Die Kooperation zwischen den verschiedenen Akteuren der Wissensproduktion in Forschung, Bürgerrechtsbewegungen und Aktivismus ist anregend und bereichernd.